„Woher habt ihr den Sitz?“ „Welches Modell ist das?“ Immer wenn ich ein Bild veröffentliche, welches Lille in ihrem Autokindersitz zeigt, erhalte ich diese Fragen von anderen Eltern mit Kindern mit Behinderung. Sehr nachvollziehbar, bevor Lille ihren ersten Reha-Kinderautositz hatte, hatte ich dieselben Fragen. Lillemor hat bereits ihren zweiten Sitz und das aus gutem Grund. Sie benötigt im Sitzen immer noch mehr Stabilität als andere Kinder. Der Grund ist die Hypotonie in ihrem Körper, speziell im Rumpf. Sie macht einen runden Rücken, ist nicht so stabil im Sitzen, ihr Kopf und kompletter Oberkörper fallen, wenn sie einschläft nach vorne. Hinzu kommt, dass sie eine Ausbrecherkönigin ist. Ein Autositz muss für sie gut abgesichert sein.
Wer empfiehlt den Reha-Kinderautositz?
Zunächst sprichst du mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten deines Kindes. Du schilderst, wie sich dein Kind im Auto verhält, ihr schaut auf die körperlichen Bedürfnisse des Kindes. Wo hat es Unterstützungsbedarf? Eventuell bist du an ein SPZ angebunden, die haben extra Beratungsstunden für die Auswahl und Verordnung etwaiger Hilfsmittel. Ansonsten wendest du dich an eure Physiotherapeuten plus Kinderarzt/Kinderärztin. Befürworten die Experten einen Autokindersitz? Dann machst du einen Termin bei einem Sanitätshaus/ Hilfsmitteldienstleister. Dort geht es an die Auswahl des Modells.
Welchen Reha-Autokindersitz soll ich auswählen?
Das kommt ganz auf dein Kind an. Das Sanitätshaus stellt dir verschiedene Modelle vor. Nicht jedes Sanitätshaus vertritt jede Marke, wenn du bereits ein bestimmtes Modell im Auge hast, frage die Verfügbarkeit am besten vorab telefonisch ab. Bei älteren Kindern schaut ihr auch, welches Modell gerade jetzt aber auch noch in ein paar Jahren passt. Lillemors erster Sitz zum Beispiel war der Siggi Combifix von BeSafe. Ein Modell, welches auch im freien Handel erhältlich ist. Für Kinder wie Lille aber, wurden Thorax-Pelotten hinzugefügt, die ihr seitlich mehr Halt gegeben haben. Sowie ein Sitzkeil. Diese einzelnen Elemente lassen sich entfernen, wenn das Kind wächst und sich in der eigenen Stabilität weiterentwickeln sollte.





Lillemor ist aus ihrem ersten Sitz mittlerweile heraus gewachsen und erhielt vor etwas mehr als einem Jahr die Empfehlung für einen weiteren Reha Kinderautositz. Dafür kam die Beraterin vom Sanitätshaus mit mehreren Sitzen zu uns nach Hause, Lille konnte in unserem Auto Probe sitzen. Ihr aktueller Sitz ist der Recaro Monza Nova Reha, er ist für Kinder bis 50 kg geeignet und wird uns nun noch länger begleiten. Lillemor hat dort einen Fünf-Punkt-Gurt mit Gurtsicherung. Bei handelsüblichen Sitzen stoßt ihr mit dem Wunsch nach einem Fünf-Punkt-Gurt schnell an Grenzen, ab einer gewissen Gewichtsklasse gehen die Autositz-Hersteller davon aus, dass die Kinder den Dreipunkt-Autogurt verwenden. Damit würde Lille aber im Schlafen mit dem „Kopp auffe Knie“ liegen. Geht leider gar nicht. Sie benötigt mehr Stabilität. Lillemors Sitz ist auf einer Drehplatte montiert, sie kann nämlich nicht selbst ins Auto einsteigen, und so muss ich nicht 22 kg, um die Ecke in den Sitz heben. Sehr komfortabel. Wir haben zusätzliche eine Fußstütze beantragt, die sie nutzen wird, denn sie größer wird. Außerdem eine Unterarmauflage. Die ist Gold wert, denn zum ersten Mal hängt Lille im Schlafen nicht bedrohlich mit dem Kopf auf ihrem Schoß. Wir nennen die Auflage „Tisch“, sie eignet sich gut zum Spielen und gibt ihr auch im wachen Zustand Halt. Die Drehplatte ist per Isofix mit dem Auto verbunden, der Sitz selbst ist mit Klettband auf der Drehplatte montiert. Das ist vom Gedanken her gewöhnungsbedürftig, allerdings vom TÜV geprüft und zugelassen. Ein kleines Extra sind die Lautsprecher in der Kopfstütze, die sich per Klinke, zum Beispiel mit der Tonie Box verbinden lassen. Haben wir auf langen Fahrten schon genutzt. Lille hört die Töne gut, wir nicht. Perfekt, damit alles etwas unterschiedliches hören können und sicher auch für Kinder, die etwas zur Beruhigung benötigen. Letztendlich entscheidet sich jede Familie individuell aus individuellen Gründen (Platzangebot im Auto, Bedürfnisse des Kindes, etc.) für ein Model.



Wie beantrage ich einen Reha Kinderautositz?
Gemeinsam mit dem Sanitätshaus wählt ihr ein Modell aus, dieses hat eine Hilfsmittelnummer. Das SPZ oder der Kinderarzt verordnet euch dann dieses Modell mit dem notwendigen Zubehör. Die Verordnung reicht ihr dann wieder beim Sanitätshaus ein, das den Kostenvoranschlag mit Verordnung und eventuell einem ärztlichen Begleitschreiben bei der Krankenkasse einreicht. Das Begleitschreiben haben wir nicht benötigt, aber immer wieder melden sich bei mir Eltern, denen der Sitz abgelehnt wurde, weil der Kasse noch Informationen fehlten. Ich kann da auch nur einen Widerspruch empfehlen sowie dran zu bleiben. Oft wird jetzt von der Kasse auch der MDK zur Beurteilung der Notwendigkeit hinzugezogen. Alle Kindersitze sind neu, ein Wiedereinsatz ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Bleibt es bei einer Ablehnung müssen manche Familien leider eine Klage androhen oder den Sitz tatsächlich einklagen.
Weiterführende Infos:
Hilfsmittelverzeichnis:
Hier findet ihr auch Infos zum Thema Mehrfachausstattung. Teilweise werden Sitze von der Krankenkasse nicht übernommen, können aber als Pflegehilfe von der Pflegekasse oder im Rahmen der Eingliederungshilfe übernommen werde, wenn durch den Sitz Teilhabeziele erreicht werden.
